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Jan Storre:
Zwangsarbeit in Speyer 1939 bis 1945

(Kurzfassung der Staatsexamensarbeit des Verfassers, eingereicht am Fachbereich 16 Geschichtswissenschaft der Johannes Gutenberg-Universität Mainz im Jahr 2002)

"Der Arbeitseinsatz der fremdvölkischen Arbeitskräfte vollzieht sich geordnet. Die Arbeitsleistungen sind zufrieden stellend, insbesondere der Arbeitskräfte aus dem Osten. Die Franzosen geben zum Teil Anlass zu Klagen wegen ihrer mangelhaften Leistungen". [1]

Auf diese Weise beurteilte die Kriminalpolizei Speyer im Mai 1943 den zu diesem Zeitpunkt schon mehr als drei Jahre andauernden ‚Zwangsarbeitereinsatz' in der lokalen Wirtschaft. Auch Speyrer Unternehmen nutzten mit zunehmender Dauer des Krieges immer stärker die Arbeitskraft ausländischer Zivilarbeiter und Kriegsgefangener aus und beteiligten sich in den Jahren 1939 bis 1945 praktisch ohne Ausnahme am System der Zwangsarbeit. In den Flugwerken Saarpfalz, dem größten Unternehmen am Orte, wurden gleichzeitig die meisten Ausländer zur Arbeit zwangsverpflichtet. Im Juni 1942 arbeiteten bereits 204 sowjetische Zivilarbeiter in der Speyerer Luftfahrtindustrie. Doch auch kleinere Betriebe, Bauern, kommunale sowie kirchliche Einrichtungen nutzten in den Kriegsjahren die Arbeitskraft ausländischer Zivilarbeiter und Kriegsgefangener. Der Höhepunkt des Ausländereinsatzes wurde in Speyer im Dezember 1943 mit 1.942 Fremdarbeitern erreicht, von denen mehr als die Hälfte aus der Sowjetunion stammte. [2]

Dies sind nur einige Ergebnisse der dem Fachbereich 16 (Geschichtswissenschaft) der Johannes Gutenberg-Universität Mainz im Dezember 2002 vorgelegten Staatsexamensarbeit Zwangsarbeit in Speyer: 1939-1945, die den Einsatz ausländischer ziviler Arbeitskräfte und Kriegsgefangener während des Zweiten Weltkrieges in der vorderpfälzischen Stadt untersucht und dabei - neben der Analyse der zahlenmäßigen Dimension des Einsatzes - einen Schwerpunkt auf die Betrachtung alltagsgeschichtlicher Aspekte wie Verpflegung, Kleidung, Gesundheit, Tod, Luftangriffe und Freizeit legt. Das für Speyer in ungewöhnlich großem Umfang vorhandene Quellenmaterial macht eine Analyse unterschiedlicher Aspekte möglich, von denen hier nur einige kurz angedeutet werden können.

Neben einer Vielzahl von Firmenunterkünften sowie Schlafräumen in umfunktionierten Wirtschaftssälen existierten in Speyer mehrere städtische Lager, die auf ein erhebliches Engagement der Stadtverwaltung schließen lassen. Die Kommune errichtete und betreute nicht nur Kriegsgefangenenlager für ortsansässige Bauern oder Betriebe [3], sondern stellte gleichzeitig auch städtischen Grund für die Errichtung von Sammellagern zur Verfügung. Unweit des Kriegsgefangenenlagers auf der Kuhweide durfte die Firma Siemens & Halske auf einem städtischen Grundstück ein Ostarbeiterlager errichten. [4] Die Stadt war nicht nur als Arbeitgeberin von Fremdarbeitern in das System der Zwangsarbeit verstrickt, sondern ermöglichte auch als Interessensverwalterin der örtlichen Wirtschaft den Einsatz weiterer Ausländer.

[1] Monatsberichte der Kriminalpolizei, Mai 1943, SA Sp. 10-1, 8.
[2] Vgl. Scharf, Eginhard: "Jede Veröffentlichung verboten!" Vertrauliches Zahlenmaterial von Wehrmacht, Polizei und Arbeitsverwaltung zum Fremdarbeitereinsatz in der Pfalz während der NS-Zeit. In: MHVP 94 (1996), S. 461-480, hier: S. 480 sowie SA Sp. 6, VII, H 5.
[3] Dazu zählen die Kriegsgefangenenlager Eselsdamm (Polen), Kuhweide (Franzosen), Reffenthal (sowjetische Gefangene) und Waldeslust.
[4] Vgl. Vertragsentwurf für den Pachtvertrag zwischen der Stadt Speyer und der Firma Siemens & Halske A.G. in Berlin-Siemensstadt, 16.11.1943, SA Sp. 6, II, Db, 5c; Schreiben der Siemens & Halske A.G., Wernerwerke, an den OB der Stadt Speyer, 20.8.1943, SA Sp. 6, II, Db, 5c.

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