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Ulrike Winkler:
"... sind unsere Gäste und Helfer in der Arbeit gewesen ..."

Die Beschäftigung von Zwangsarbeitskräften und Kriegsgefangenen in den Kreuznacher Diakonie-Anstalten während des Zweiten Weltkrieges

Kurzfassung eines Vortrags, gehalten beim Forschungskolloquium "Zwangsarbeit in Rheinland-Pfalz während des Zweiten Weltkriegs" am 21. September 2002 in Mainz. Die vollständigen Vortragstexte werden in der Reihe "Geschichtliche Landeskunde" veröffentlicht (Erscheinungstermin: voraussichtlich Ende 2003).

Walentina SchukowaAls die 14jährige Weißrussin Walentina S. im Februar 1944 auf den Niederreidenbacher Hof, einer Zweiganstalt der Kreuznacher Diakonie, kam, gehörte sie zu den fünf letzten Zwangsarbeitskräften, die die diakonische Einrichtung noch beschäftigte.

Von 1940 bis 1942 hatten zunächst 15 französische Kriegsgefangene in der Land- und Forstwirtschaft des bei Idar-Oberstein gelegenen Hofgutes gearbeitet, nach deren Überführung in den Zivilarbeiterstatus und Abgabe an die Rüstungswirtschaft setzte die diakonische Einrichtung Zwangsarbeitskräfte aus der UdSSR ein. Dabei konnte die Leitung des Niederreidenbacher Hofes auf ein Arbeitskräftereservoir zurückgreifen, das sie selbst verwaltete. Pfarrer Rentrop hatte sich nämlich bereit erklärt, dem Arbeitsamt in Idar-Oberstein Teile des Hofgutes als Durchgangslager für neu ins Deutsche Reich verschleppte Ausländer/innen zur Verfügung zu stellen. Mehrere hundert Menschen, z.T. komplette Familien, aus Polen, Rußland und der Ukraine wurden auf dem weitläufigen Gelände tageweise untergebracht, verpflegt und schließlich – gegen Erstattung von Unterbringungs- und Verpflegungskosten – an die Landwirte in der Umgebung verteilt. Fast ein Jahr, von Mai 1942 bis zum April 1943, bestand diese Kooperation mit der Arbeitsverwaltung, die offenbar zur beiderseitigen Zufriedenheit verlief. Jedenfalls gibt es keinerlei Hinweise auf Zwang oder Protest.

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