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Christine Hartwig-Thürmer:
Zwangsarbeit in Mainz-Gustavsburg 1942-1945

Dieser Beitrag ist der folgenden gedruckten Publikation entnommen: Hans-Georg Meyer, Hans Berkessel (Hrsg.): "Unser Ziel - die Ewigkeit Deutschlands" (Die Zeit des Nationalsozialismus in Rheinland-Pfalz, Band 3). Verlag Hermann Schmidt Mainz 2001, S. 53-59, ISBN 3-87439-453-0.
Wir danken der Autorin, den Herausgebern und dem Verlag für die freundliche Genehmigung zur Wiedergabe auf dieser Seite.

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Am 2. April 1946 gibt der Direktor der Maschinenfabrik M.A.N., Werk Mainz-Gustavsburg, zu Protokoll:

"Über die Behandlung der bei der M.A.N.-Gustavsburg beschäftigten Ausländer ist folgendes zu sagen: Zunächst muß klargestellt werden, daß der Anstoß zu einer Zuweisung von ausländischen Arbeitskräften nicht von der Firma ausgegangen ist, sondern seitens der zuständigen Dienststellen ein bei der Firma bestehender Bedarf mangels deutscher Arbeitskräfte durch Ausländer abgedeckt wurde. (...) Es trat niemals der Zustand ein, daß mehr ausländische Arbeitskräfte im Werk tätig waren als deutsche zur Wehrmacht abgegeben wurden. Daraus folgt, daß die M.A.N. darauf verzichtete, durch übermäßige Heranziehung von Ausländern im Krieg mittels Produktionssteigerung große Profite zu machen." [1]

Implizit bedeutet dies, ein Heranziehen von Ausländern im Krieg sei nur verwerflich, wenn es im Übermaß und zur Erzielung großer Profite erfolgt sei, d.h. Richard Reinhardt sieht den Einsatz von Zwangsarbeitern bei der M.A.N., Werk Gustavsburg, als im Grundsatz gerechtfertigt an; etwaige Kritik an den Zwangsrekrutierungen äußert er an keiner Stelle. [2]

Ausländerlager MAN

Blick auf das 'Ausländerlager' der M.A.N.-Gustavsburg 'Am Rosengarten', im Vordergrund die Holzbaracken für die 'Ostarbeiter'

Der in einem Spruchkammerverfahren angeklagte Direktor Reinhardt verteidigt sich hier gegen Vorwürfe, er sei für den Einsatz und für Misshandlungen der ca. 2.500 ausländischen Zwangsarbeiter bei der M.A.N. verantwortlich gewesen. Er beschreibt ausführlich und versucht dies mit Zeugnissen und Fotos zu belegen, dass er willens gewesen sei und das Menschenmögliche getan habe, die Franzosen, Italiener, Holländer, Ukrainer, Weißrussen u.a., die dem Werk zugewiesen wurden, angemessen zu versorgen. Die Informationen über den Einsatz und die Behandlung der Zwangsarbeiter, die uns von da her zugänglich sind, sollten also dazu dienen, die Angeklagten freizusprechen.

[1] Abt. 520 Akte Richard Reinhardt im Hessischen Hauptstaatsarchiv, Wiesbaden.
[2] Zur Person Richard Reinhardt siehe das Buch von Christine Hartwig Thürmer, Ginsheim-Gustavsburg-Bischofsheim 1933 - 1945. Die Mainspitze unterm Hakenkreuz, Frankfurt/M 1989, S.185-189. Hier sind bereits die Grundlagen zum Zwangsarbeitereinsatz bei der M.A.N. Gustavsburg dargestellt. Eine Zusammenschau mit den reichsweiten Entwicklungen gibt der Aufsatz von C. Hartwig-Thürmer/Bernhard Riedt, „Das sind doch Menschen wie wir...“. Ausländische Arbeiter bei der M.A.N. Werk Gustavsburg 1940 bis 1945 vor dem Hintergrund der nationalsozialistischen Fremdarbeiterpolitik, in: Mainzer Geschichtsblätter, Heft 5, Mainz 1989, S. 83-125.

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